Pusha T vs Lil Wayne: Chronik eines Beefs

lilwayne_pushat

22 Nov Pusha T vs Lil Wayne: Chronik eines Beefs

Vergangene Woche sah die Veröffentlichung der ersten Video-Single aus Pusha Ts kommenden zweiten Solo-Album „King Push“. Pusha, der jüngst von Kanye West zum Präsidenten seines G.O.O.D. Music-Imprints erkoren wurde, nutzte die gewonnene Aufmerksamkeit, um im Fahrtwind dieser Neuigkeit mit gewohnter lyrischer Stärke und, von niemand geringerem als Timbaland in Szene gesetzt, den Song „Untouchable“ auf den Markt zu werfen.

Und wie so oft in Pushas Output finden sich auch in „Untouchable“ wieder einige Lines, die zwar nicht explizit, aber doch ziemlich unmissverständlich an Lil Wayne gerichtet sind. So heißt es:

I’m aiming for the moguls, why y’all niggas aiming at the locals?
And rap niggas broke like them, they’re mere hopeful
Still wishing on a star
The last one to find out that Baby own the cars

Zum besseren Verständnis: Lil Wayne versucht derzeit in einem Rechtsstreit in zweistelliger Millionenhöhe, sich und sein Label Young Money Entertainment aus seinen Verträgen mit Mentor Birdman zu befreien. Dieser ist nicht nur Boss von Young Moneys Mutterorganisation Cash Money Records, sondern auch – nach beidseitigen Aussagen – Waynes Vaterfigur. Außerdem war Birdman die erste Dekade seiner Karriere vor allem unter dem Pseudonym „Baby“ bekannt. Seinen rasierten Schädel ziert ein großes, scharlachrotes „Stern“ (engl. „star“)-Tattoo. Die Zusammenhänge zu Pushas Text kann wohl jeder selbst ziehen.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Pusha immer wieder in seinen Texten negativ Bezug auf das zerstrittene „Vater-Sohn“-Gespann aus New Orleans nimmt? Zeit die Geschichte der Streitigkeiten, die vor allem aus mehreren, teils sehr kreativen Textzeilen Pushas besteht, zu resümieren.

„What Happened To That Boy (2002)“

Hier war noch alles in Ordnung. Birdman kaufte sich von dem Produzenten-Team der Stunde, den Neptunes, ein hitverdächtiges Instrumental und lud deren Kumpels von The Clipse (bestehend aus Pusha und seinem Bruder Malice) als Gäste auf den Track ein.

„What Happened To That Boy?“ gehört auch heute noch zu den Highlights aller Beteiligten. Auch Lil Wayne ist (mit deutlich kürzeren Dreads) im Video zu sehen (s.o.).

„Mr. Mee Too (2006)“

Ein paar Jahre später schmeckte es allerdings Pharrell Williams (einer der beiden Neptunes) und den Clipse Brüdern nicht, dass Lil Wayne sich auf Magazin-Covern und in Musikvideos in Klamotten der japanischen Streetwear-Marke BAPE zeigte. Pharrell und The Clipse hatten die Marke entdeckt, sie in den USA populär gemacht und eine enge Verbindung zu dessen Chefdesigner Nigo aufgebaut, der auch an Pharrells eigener Marke Billionaire Boys Club (BBC) federführend mitarbeitete. Dass nun Weezy auf den rollenden Zug aufsprang, empfand man – ganz true schoolig – als biten.

Auch wenn Weezys Name in „Mr. Me Too“ nicht fällt, so ist doch relativ klar, wer gemeint ist. Wayne selbst bezog den Song ebenfalls auf sich und nahm in einem Interview mit Complex ausführlich Stellung dazu.

„Re-Up Gang Intro (2008)“

Sorry but, I don’t respect who you applauding
Little nigga flow, but his metaphors boring

Don’t make me turn daddy’s little girl to orphan
That would mean I’d have to kill Baby like abortion!

Nachdem man sich in der Zwischenzeit damit begnügt hatte, in Interviews schlecht übereinander zu reden, gab es nun mal wieder etwas on wax. Wer als „daddys little girl“ adressiert wird, sollte nach dem Kollabo-Album „Like Father, Like Son“ von Lil Wayne und Birdman ebenso leicht zu erraten sein, wie was mit der Abtreibungs-Line gemeint ist.

„Exodus 23:1 (2012)“

2011 hatte sich Pusha in einen kleinen Stellvertreter-Zwist mit Young Money/Cash Money-Signing Drake verwickelt, bei dem es (anders als im Beef mit Wayne und Baby) auch von der Gegenseite ein paar gute Subliminal-Zeilen gab. Mit „Exodus 23:1“ setzte Pusha aber endgültig zum Rundumschlag an.

Während der Großteil des Songs klar in Richtung Drake geht, kriegen natürlich auch Birdman und Wayne mehr als nur ein paar Seitenhiebe ab. Insbesondere ist interessant, das Pusha hier bereits an mehreren Stellen, die undurchsichtigen vertraglichen Regelungen im Hause YMCMB anspricht.

Throwing that flag up running around you hot shit
Taking half of everything you get

Der Song war Auslöser für Weezy, seit langer Zeit wieder eine öffentliche Reaktion auf die gesamte Situation zu zeigen. Und diese viel äußerst direkt aus:

„Goulish (2012)“ In der Konsequenz veröffentlichte Lil Wayne mit „Ghoulish“ seine einzige musikalische Antwort in dem ganzen Beef. Und diese fällt erstaunlich schwach aus. Keine einzige Line Weezys trifft Pusha dahin, wo es weh tut und liefert ihm im Gegenteil eigentlich nur eine Steilvorlage.  Fuck Pusha T and anybody that love him His head up his ass, I’mma have to head-butt him „Tell Me What They Mad For? (2013)“ Mit seinem Feature-Part auf diesem Ludacris Track servierte Pusha seine Antwort auf Waynes Wutausbrüche. Einen ganzen Part lang nimmt Push-a-ton hier Birdman aber vor allem Wanye nach allen Regeln der Kunst auseinander und zielt dabei auch immer wieder auf die geschönten finanziellen Zustände im Hause YMCMB. If you sellin‘ all the records and you fuckin‘ all the bitches And you sit a top of the charts and you livin‘ out your wishes With your chains all smothered and your watches all glittered And your ghost and your phantoms all comin‘ home to visit Or maybe cause your bitches was never really your bitches With your baby mama fucking every rapper in the business Niggas saying you was better when the drugs was in your system Now your crack swag gone ever since you came from prison Got you tweeting all stupid, is you skatin‘, is you dissin‘ Found out your Ghost leased and your Phantom just rented Won’t need it in your name like Pac when he went missing Makaveli lives on so I’m riding on you bitches Hail Mary be the witness, Lord Willin‘ I was dealing Stupid motherfucking five star, tatted on his ceiling Bullseye, be the motherfucking target for this killing Ain’t y’all the motherfuckers with the millions?  Etwa anderthalb Jahre später, im Dezember 2014, gibt Lil Wayne öffentlich bekannt, dass er genug von Cash Money Records und Birdman habe und aus seinem Vertrag aussteigen wolle. Natürlich ist Pusha T hier zur Stelle, um gute Ratschläge zu verteilen: 

Von der GQ angesprochen, ob er Wayne wirklich gerne bei G.O.O.D. Music sehen würde, gab King Push zu Protokoll:

“I don’t know. I just like the fact that I’m a prophet because of my song ‘Exodus,’” said Pusha. “It came out two years ago! People should just call me ‘The Prophet.’ You know what? Wayne on GOOD Music…Well [Kanye] actually likes Wayne, so they could probably make some good music together. But who knows.”