Post Malone: Der unwahrscheinlichste Newcomer des Jahres

Bildschirmfoto 2015-10-26 um 02.03.26

26 Okt Post Malone: Der unwahrscheinlichste Newcomer des Jahres

Während sich 2015 langsam aber sicher dem Ende entgegen neigt und in vielen Musikredaktionen die Arbeit an entsprechenden Jahresrückblicken gestartet wird, lässt sich bereits jetzt mit einiger Sicherheit behaupten, dass den Aufstieg eines Künstlers wie Post Malone wohl niemand vorausgesehen hat. Vielleicht wurde der zwanzigjährige White Boy aus Dallas auch deshalb von vielen zunächst als obskures One-Hit-Wonder abgestempelt und bloß abgewartet, dass er so schnell, wie er mit seinem Song „White Iverson“ die Playlisten der Cool-Kids erobern konnte, auch wieder von der Bildfläche verschwinden würde.

Doch mittlerweile hat der junge Mann, der inzwischen Los Angeles seine zweite Heimat nennt, nicht nur ein Major-Label-Deal mit Republic Records in der Tasche sondern auch Tracks mit Young Thug, A$AP Ferg und nicht zuletzt Kanye West in der Pipeline. Letzterer schleppte Post von seinem Auftritt auf Kylie Jenners Geburtstagsparty direkt ins Studio und recordete mit ihm und Ty Dolla $ign den Song, der während seiner jüngsten New York Fashion Show lief und im Internet unter dem Titel „Fade“ gehandelt wird. Mit den Visuals zu seinem Track „Too Young“ releaste Post nun letzte Woche das Video zu einem Song, der „White Iverson“ in Sachen Hit-Faktor kaum in etwas nachsteht.

Alle bisherigen Veröffentlichungen lassen neben einem engen Zusammenspiel mit seinem Produktionsteam FKi und einer starken Stimme vor allem auch ein eindeutiges Talent für eingängige Melodien erkennen. Eine Eigenschaft, die sich vermutlich auch auf Posts vielseitigen musikalischen Background zurückführen lässt. So gibt er an, großer Country-Fan zu sein und zu High School-Zeiten bereits in Hardcore und Folk-Bands aktiv gewesen zu sein. Im Netz lassen sich weiterhin Clips finden, in denen der Texaner wahlweise im Stars-and-Stripes-Shirt ein 1a-Bob Dylan-Cover zum Besten gibt oder in knappen Jeans-Shorts einen eher fragwürdigen Synth-Pop-Song performt.

Da diese teilweise doch recht zeitnahen musikalischen wie stilistischen Experimente in starkem Kontrast zu seinem aktuellen Look (inklusive Cornrows und Goldgrillz) und Sound stehen, mehrten sich bald Vorwürfe, der weiße Herr würde sich für seinen Erfolg lediglich an schwarzen Kulturpraktiken bedienen, ohne tatsächlich Teil einer solchen Kultur zu sein oder etwas an die Originators zurückzugeben. Bald tauchte noch ein altes Vine auf, in dem ein 16jähriger Malone scherzhaft das tabuisierte N-Wort benutzte und schon wurde das Ende seiner jungen „Urban Music“-Karriere prophezeit. Doch nachdem sich Post öffentlich entschuldigte, scheint der größte Teil seiner Fans wie auch der Szene gewillt, ihm seine jugendlichen Fehltritte zu verzeihen und dem ebenso unbedarft wie freundlich auftretenden Jungspund abzukaufen, dass es für ihn einzig und allein um die Musik und seinen persönlichen Ausdruck gehe.

Zwischen den genannten Vorfällen und unsouverän Interviews wie beim Breakfast Club auf der einen Seite sowie einer Reihe an hitverdächtigen Ergüssen und prominenten Cosigns auf der anderen bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich Post Malones junge Karriere schlussendlich entwickeln wird. Großes musikalisches Potential sowie Interesse seitens des Publikums sind in jedem Fall vorhanden. Ein bisher unbetiteltes Album soll Anfang des nächsten Jahres erscheinen. Dann wird sich zeigen, ob Post sich im wachsenden Sektor des Sing-Rappens /Rap-Singens als feste Größe behaupten kann oder ob Dallas nach D.O.C. ein weiterer Star verwehrt bleibt.