Die R’n’B-Hoffnung aus Louisville: Bryson Tiller liefert „Trapsoul“

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06 Dez Die R’n’B-Hoffnung aus Louisville: Bryson Tiller liefert „Trapsoul“

Ende September erschien mit „Trapsoul“, das Debütalbum des 22jährigen Bryson Tiller aus Louisville, Kentucky, und konnte aus dem Stand Platz 11 in den US-Billboard Charts erreichen. Ein Jahr zuvor wäre an einen solchen Erfolg nicht zu denken gewesen. Damals schlief Bryson in seinem Auto, arbeitete drei Jobs gleichzeitig und versuchte es parallel dazu in der, wie er sie beschreibt, „toten“ Musikszene seiner Heimatstadt zu etwas zu bringen. Doch Social Media sei dank, sollte sich sein Schicksal binnen nur einen Jahres zum Besseren wenden.

Denn am 9. Oktober 2014 stellte Bryson den Song „Don’t“ auf seine Soundcloud-Page. Den Beat hatte er sich aus dem Netz geladen. Für das Equipment, auf dem er seine Vocals aufnahm, hatte er sich Geld bei Freunden leihen müssen. Bis heute wurde der Song über 34 Millionen abgespielt.

Der Song entwickelte sich schleichend zu einem viralen Hit. Ende 2014 wurden schon einige Major Label-A&Rs auf Bryson aufmerksam. Mitte Januar folgte bereits Drake dem jungen Crooner aus dem mittleren Westen auf Twitter und unterbreitete Bryson sogar etwas später das Angebot ihn bei Octobers Very Own unter Vertrag zu nehmen (was Bryson ausschlug). Den endgültigen Push bekam „Don’t“ allerdings durch Apple. Früh wurde der Song auf iTunes als sog. „Heatseeker“ promotet und zum Launch von Apple Music im Juni wurde er als einer der ersten Tracks in der Sendung von Zane Lowe als „World Record“ geehrt.

Dass Bryson aber bei weitem kein One-Hit Wonder war, wurde jedem klar, der sich auch den Rest seiner Titel auf Soundcloud zu Gemüte führte. Keiner der aktuell 10 Songs auf seinem Profil hat unter einer Millionen Plays – nichtmal das letzte Woche erschienene „Self-Righteous“. Seinen Sound hat er, wie auch sein Album, „Trapsoul“ getauft: Vom aktuellen Trapsound beeinflusster R’n’B mit mitunter expliziten Lyrics, vorgetragen in einem Vocal-Style, der sich auf der Schnittstelle von Gesang und Rap bewegt. Nachvollziehbar, dass Bryson vielfach mit den aktuellen Vertretern aus Toronto, wie The Weeknd, PARTYNEXTDOOR und eben Drake verglichen wird. Als seine Hauptinspirationen nennt er allerdings eher Vorreiter des aktuellen R’n’B-Sounds wie T-Pain, The Dream und, seinen Favoriten, Omarion.

Auch in der Produktion seines Albums wird dieser Kontrast zwischen aktuellen und klassischen Elementen deutlich. So zeichnet sich beispielsweise Drake-Kollaborateur Syk Sense für einen Großteil der Produktionen von „Trapsoul“ verantwortlich. Aber auch Altmeister Timbaland steuerte zwei Tracks bei, darunter die zweite Videoauskopplung „Sorry Not Sorry“.

Brysons Zukunftsaussichten können also nur als rosig bezeichnet werden. Als nächstes Ziel hat der junge Künstler sich vorgenommen, bis zur Perfektion an seiner Live-Performance zu arbeiten. Vielleicht bekommt man ja in Zukunft auch hierzulande bald mal die Gelegenheit die Bühnenqualitäten des talentierten Mr. Tiller unter die Lupe nehmen zu können.